Beton selber mischen

Die gute alte Mischmaschine ist auf immer wenigeren privaten Baustellen und Projekten zur Gartengestaltung zu finden. Während noch vor einer Generation der Beton für den Bau ganze Keller selbst gemischt wurden, macht man heute so was nur noch mit fertigem Beton der mit dem LKW geliefert wird. Das wirkt sich zwar positiv auf die Qualität aus aber steigert die Kosten exorbitant. Doch gerade für kleinere Anwendungen, wie zum Beispiel das Fundament eines Gartenpvillions oder eine kleine Mauer, ist ein großer Kostenaufwand nicht gerechtfertigt und die Selbermisch-Variante immer noch mit Abstand die billigste und beste Lösung.

Selber mischen – Kosten sparen

Je nach Lieferant kostet ein m³ Lieferbeton schnell einmal 100 Euro und mehr. Oft wird auch noch ein sogenannter „Mindermengenaufschlag“ verrechnet wenn man nur eine kleine Menge Beton benötigt (z.B.: 8 m³).
Für Kleinprojekte in Haus und Garten zahlt es sich als aus selbst Hand anzulegen auch wenn es eine schmutzige Arbeit ist. Wenn man Beton selbst misch kann man die Kosten leicht unter 20 Euro pro m³ drücken (auch wenn man sich die Mischmaschine leihen muss).

Was man so alles braucht

Sand

Den kann man sich üblicherweise für ein paar Euro im Schotterwerk holen. Im Normalfall wird Sand mit der Körnung 0/32, 0/22, 0/16 oder auch 0/4 zum Betoniert verwendet. Je größer die Körnung ist, umso höher ist Endfestigkeit wenn der Beton ausgehärtet ist. Eine große Körnung ist aber auch schwerer zu Verdichten. Auch feine Arbeiten können damit nicht gemacht werden. Für den ambitionierten Heimwerker ist 0/16er aber immer eine gute Wahl, damit kann man praktisch alle Arbeiten gut erledigen.
Der Sand muss für die Verarbeitung unbedingt sauber sein, Verunreinigungen (Erde, Lehm, Wurzeln, usw.) mindern erheblich die Festigkeit und müssen entfernen werden.

Wasser

Es muss kein Trinkwasser sein aber sauberes Wasser ist unumgänglich.

Zement
Den Zement kauft man im 25kg Sack beim Baufachhändler oder im Baumarkt. Auf dem Sack finden sich jede Menge Zahlen und Aufschriften, welche Eigenschaften und sogenannte „Zumahlstoffe“ genauer definieren. Sie haben für den klassischen Heimwerker keine Bedeutung und daher wird hier nicht genauer darauf eingegangen. Die Festigkeitsklasse der Zements ist aber nicht ganz irrelevant.
Diese ist entscheidend wie schnell der Zement in den ersten Tagen erhärtet (mögliche Kennzahlen: 32.5, 42.5 und 52.5). Als Baumakt-Standard gilt der 32.5er Zement. Dieser ist für alle Anwendungen ideal, nur bei kalter Witterung sollte man einen schneller aushärtenden Zement verwenden. Damit wird schnell Festigkeit erreich und Frostschäden vermieden. Sonst kann immer zum billigsten Zement gegriffen werden. Denn eine CE-Kennzeichnung haben alle am deutschen Markt erhältlichen Produkte und daher entsprechen sie auch allen Normen.
Hinweis: Für die Endfestigkeit spielt die Festigkeitsklasse hingegen keine Rolle.

Was man noch wissen sollte

Zement bildet mit dem Wasser eine Art Leim, welcher die Sandkörner verbindet und danach aushärtet. Beton trocknet nicht, sondern härtet durch eine chemische Reaktion aus. Daher ist es möglich unter Wasser zu betonieren.

Mischmaschine einschalten und los geht’s

Um die größtmögliche Festigkeit des verarbeiteten Betons zu erreichen ist das einhalten des Mischverhältnisses zwischen Wasser, Zement und Wasser genau einzuhalten.
Die Faustregel 4 l Wasser auf 10 kg Zement kann man leicht einhalten, wenn man einen 10 l-Eimer Wasser für einen Sack Zement rechnet. Wenn man zu viel Wasser verwendet verdunstet dieses später und hinterlässt unschöne Poren an der Oberfläche. Wird zu wenig Wasser verwendet, so bindet der Zement nicht richtig und härtet nicht ordentlich aus. Das Mischungsverhältnis Wasser zu Zement deutlich wichtiger als vielfach angenommen.
Die Menge Sand für den perfekten Beton ist leider sehr stark von der Sandmischung selbst abhängig. Ziel ist es alle Räume zwischen den Sandkörnern vollkommen mit der Zement-Wasser-Mischung zu füllen. Zu viel Bindemittel senkt aber die Qualität und ist eher kontraproduktiv. Im Privatbereich wird in der Regel zu viel Beton verwendet, weil man es einfach zu gut meint.
Das Mischverhältnis 3 Schaufeln Sand auf 1 Schaufel Zement (also 3:1) hat sich bei Heimwerkern eingebürgert, ist aber eigentlich zu „zementlastig“. Es ist natürlich nicht falsch sich daran zu halten aber man sollte auch andere Mischverhältnisse in Betracht ziehen.
Dafür ist natürlich etwas Erfahrung und Gefühl eine wichtige Grundvoraussetzung aber in der Regel ist die Mischung Zement zu Sand im Verhältnis 1:4 oder 1:5 (bei gutem und sehr sauberen Sand auch 1:6) durchaus ausreichend.

Zum Mischen kann eine handelsübliche Mischmaschine verwendet werden. Diese hat man als ambitionierter Handwerker zu Hause oder kann man sich günstig im Fachmarkt (auch Landring, Maschinenring, usw.) ausborgen.

Zum Schluss wird verdichtet

Diesem Arbeitsgang wird leider immer wieder viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Wenn man Beton verarbeitet bleiben Lufteinschlüsse und kleine Luftblasen im fertigen Beton zurück. Sie bilden kleine Löcher und Poren und mindern die Endfestigkeit.
Die Luft bekommt man nur durch rütteln aus dem noch flüssigen Beton heraus. Mit der Hand ist das eine sehr schwere Arbeit und daher sollte man dafür einen sogenannten „Rüttler“ (ja so heist der Betonverdichter wirklich) verwenden. Diesen kann man sich auch sehr günstig im Baumarkt ausborgen.
Bei kleinen Bauwerken kann man den Beton natürlich mit der Hand verdichten. Dazu nimmt man ganz einfach eine Stange und stochert und rührt damit ausgiebig im Beton herum um die Luftbläschen zum Aufsteigen zu bringen. Auch das Klopfen gegen die Schalung hilft, man muss für die händische Verdichtung aber viel Geduld und Zeit einrechnen.

Jetzt heißt es warten und aushärten lassen

Wie erwähnt trocknet Beton nicht, sondern härtet auf chemischen Weg aus. Trockenheit ist genau genommen sogar der größte Feind des Aushärteprozesses. Trocknet das Wasser zu schnell ab, bevor der Zement fertig aushärtet ist, entstehen die selben Probleme als ob man zu wenig Wasser verwendet. Gerade bei hohen Temperaturen im Sommer ist ein Austrocknen des Betons unbedingt zu vermeiden.
Effizienteste Möglichkeiten das zu vermeiden, sind ein möglichst langes Belassen der Schalung, ein Abdecken mit Plastikplanen und das besprühen des Baues mit Wasser. Natürlichen spricht nichts dagegen die heimwerkertypische Neugier zu befriedigen aber man sollte die Schalung ein bis zwei Wochen bestehen lassen, bevor man ausschalt.
Wichtig ist es ein Austrocknen in den ersten 2-3 Tage in jedem Fall zu verhindern. Das trägt deutlich zur Qualität, aber auch zum besseren oberflächlichen Aussehen des Betons bei.

Es ist zwar etwas Arbeit aber es zahlt sich auf jeden Fall aus auch einmal selbst an die Mischmaschine zu legen.

Liebe Grüße aus Lichtenau im Waldviertel

Kommentare

  1. Peter Schneider-Icken meint:

    Sehr guter Beitrag mit guten Informationen!Bestärkt mich in meiner Absicht
    für eine geplante Garage das Plattenfundament selbst zu erstellen.
    Freundliche Grüße aus Berlin.
    PSI

  2. Sehr gut beschrieben und hilfreich aber wer weiß wieviel Zementsäcke muss ich mir vorher im Baumarkt kaufen für z.b. 1 m³ Beton, und Kies könnte ich mir vorstellen weniger als 1 m³.

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